Im letzten Artikel habe ich die beste kostenlose Audio Workstation etwas näher beleuchtet und hier erzähle ich etwas zu meinen Lieblingsplugins, die man ebenfalls für lau aus dem Netz ziehen kann. Am besten ist es natürlich, wenn man die Sachen benutzt, die mit der Workstation mitkommen. Allerdings gibt es DAWs, die eventuell nicht allzu viele oder gute Instrumente bzw. Effekte dabei haben. Aus diesem Grund hier nun meine kleine Liste an kostenlosen Plugins:

Kilohearts Essentials

Kilohearts ist bekannt geworden, durch ihren absolut grandiosen Software Synthesizer Phase Plant. Das Teil kostet allerdings ein wenig. Vor Kurzem haben sie ihre komplette Pluginserie auf 2.0 geupdated und seitdem ist der Großteil der Effektplugins komplett kostenlos.

alle 30 Effekte der Kilohearts Essentials Collection (Quelle: Kilohearts.com)

Die sogenannte Essentials Collection umfasst 30(!) Plugins und einen Container, den Snap Heap. In diesem Container kann man sämtliche Kilohearts Effekte einfügen und beispielsweise auch parallel anordnen, Modulatoren anwenden, Macros festlegen,… quasi eine kleine modulare Umgebung für die Effekte.

Snap Heap in Action…

D.h. man kann alle Effekte im Container modular zusammenbauen oder aber auch komplett einzeln in der DAW verwenden. Was will man mehr? Die Frage ist natürlich … was für Effekte bekommt man denn so?

  • 3-Band-EQ
  • Chorus
  • Delay
  • Gain
  • Limiter
  • Stereo
  • Bitcrush
  • Comb Filter
  • Compressor
  • Distortion
  • Dynamics
  • Ensemble (erweiterter Chorus)
  • Filter
  • Flanger
  • Formant Filter
  • Frequency Shifter
  • Gate
  • Haas
  • Ladder Filter
  • Nonlinear Filter
  • Phase Distortion
  • Phaser
  • Pitch Shifter
  • Resonator
  • Reverb
  • Reverser
  • Ring Mod
  • Tape Stop
  • Trance Gate
  • Transient Shaper (grandios)

Und das sind nicht nur irgendwie lieblos dahin programmierte Sachen. Das sind richtig gute Effektplugins. Logischerweise gibt es auch ein paar kostenpflichtige Effekte von Kilohearts. SliceEQ ist z.B. ein hervorragender Equalizer und Convolver ist sicherlich der beste Convolution Reverb Effekt überhaupt. Aber mit den Essentials ist man zunächst mehr als gut ausgerüstet.

Spitfire Audio LABS

Spitfire Audio ist bekannt für hochwertige Sample-Libraries, insbesondere Streicher und Pianos. Vor ein paar Jahren haben sie das kostenlose Plugin LABS veröffentlicht. In regelmäßigen Abständen werden neue Instrumente für LABS erstellt und zum kostenlosen Download angeboten. Logischerweise werden die LABS Instrumente nicht so detailreich gesampled, wie die kostenpflichtigen Libraries, aber trotzdem bekommt man hochwertige und vor allem wirklich nützliche Instrumente, die man in seiner eigenen Musik super nutzen kann.

Mittlerweile gibt es 52(!) verschieden Libraries für LABS. Darunter findet man Drums, Pianos, Synths, Found Sounds, Strings, Percussion und ausgefallene Instrumente. Und das Beste: Es kommen in recht kurzen Abständen neue Sachen dazu…

Meine Lieblingsinstrumente sind derzeit:

  • Tape Piano (unglaublich warmes Upright Piano 🎹 ❤️)
  • Trumpet Fields (strange Trompetensounds)
  • Electric Piano
  • Hand Bells
  • London Atmos (Found Sounds aus London)
  • Amplified Cello Quartet
  • Sleigh Bells
  • Percussion

Soundspear Formula

Ok, dieses Plugin ist vielleicht etwas speziell, weil es nicht für jedermann sinnvoll ist. Mit Formula kann ich quasi innerhalb eines Effektplugins meine eigenen Effekte in der Programmiersprache C programmieren. Wenn man die Sache mal ideell betrachtet hat man hier ein Makroplugin, welches jedes Effektplugin sein kann was es will.

Nüchtern betrachtet sieht das Ganze schon etwas anders aus. C ist eine schwere Programmiersprache und DSP Code zu schreiben ist nochmal eine ganz andere Liga als ein Programmier-Einführungskurs im Grundstudium.

Also, wer da Lust drauf hat und schon etwas Vorkenntnisse besitzt … Formula bietet einige Möglichkeiten. Das Plugin und die Nutzung ist komplett kostenlos. Wenn man in die Cloud will, muss man monatlich etwas bezahlen. In der Cloud kann man seinen eigenen Code ablegen, aber auch etliche Effekte herunterladen.

Convology XT

Convology XT ist ein kostenloses Reverb-Plugin. Dieser Reverbeffekt wurde nicht programmiert, wie beispielsweise der Reverb Effekt von Kilohearts, sondern es handelt sich um einen Convolution Reverb. Ich will hier gar nicht allzu sehr ins Detail gehen. Nur so viel: Ein Convolution Reverb nutzt quasi die Hallaufnahme eines echten Raumes und gibt diesen Hall dann im Effektplugin wieder. Klingt kompliziert … ist es auch … aber die Anwendung ist genauso simpel die eines jeden anderen Reverbs auch.

D.h. also, dass man neben dem eigentlichen Plugin auch eine Sammlung von Impulse Responses (so nennt man die Hallaufnahmen) benötigt. Convology XT kommt mit einer kleinen, aber feinen Sammlung an Impulse Responses. Mit dieser Sammlung kann man schon sehr viel anfangen. Wer noch mehr benötigt kann sich welche kaufen, oder aber einfach mal mithilfe von Google nach kostenlosen Impulse Responses suchen. Es gibt einige gute kostenlose Bibliotheken.

Es empfiehlt sich aber auch einfach mal andere Samples in das Plugin zu ziehen. Mitunter kann man somit recht interessante Effekte erzielen…

Cardinal

Cardinal ist eigentlich VCV Rack 2. Ein kompletter modularer Synthesizer in Softwareform. Die Möglichkeiten mit VCV Rack sind mittlerweile unendlich, weil es schon so viele Module dafür gibt. VCV Rack 2 ist Open Source und die Standalone Version ist kostenlos. Allerdings bezahlt man für das VST-Plugin.

Jetzt hat sich ein pfiffiger Fan der Software daran gesetzt und aus der Open Source Standalone Version von VCV Rack 2 selbst ein VST-Plugin programmiert. So ist Cardinal entstanden. Ist das moralisch in Ordnung, so das Bezahlen des Plugins von VCV Rack zu umgehen? Ich denke schon, muss aber jeder für sich selbst entscheiden.

Cardinal funktioniert natürlich nicht genauso wie VCV Rack. Man hat nicht den Zugriff auf die komplett Bibliothek an Modulen. Der Programmierer hat einen Haufen Module direkt in das Plugin eingebaut und damit muss man sich zufrieden geben. Allerdings ist haufenweise gutes Zeugs integriert und wenn man des Öfteren mal auf die Website schaut, dann stößt man vielleicht auch mal auf ein Update der Software mit neuen integrierten Modulen.

Cardinal kann man entweder als Instrumenten-Plugin oder als Effekt-Plugin nutzen. Eine modulare Umgebung ist nicht einfach zu bedienen, aber wenn man sich erstmal zurechtfindet und etwas auskennt, kann man interessante Sachen damit anstellen. Ein Eldorado für Sounddesigner und -tüftler.

Decent Sampler

Der Decent Sampler ist ein Sampler. Der Unterschied zu Spitfire Audio LABS ist, dass man hier auch eigene Instrumente bauen kann. Man muss diese Instrumente dann zwar „schreiben“ (anhand einer Skriptdatei in einem Texteditor), aber man kann das GUI dafür aber auch teilweise selbst gestalten.

Der Decent Sampler mit einem von mir erstellten Instrument (Casio VL-1)

Außerdem – und das ist ein großer Pluspunkt – gibt es die Website Piano Book. Das Piano Book ist ein Projekt, bei dem sich jeder beteiligen kann und seine eigenen gesampleten Instrumente hochladen kann. Dort beteiligen sich viele und es gibt eine Unmenge an kostenloser Instrumente zum Download. Der Decent Sampler hat sich hierfür etabliert und viele der Instrumente werden dort auch in diesem Format angeboten.

Jetzt kommt’s! Der Initiator des Piano Books ist kein Geringerer, als ein Mitbegründer von Spitfire Audio. Christian Henson sampled also Instrumente aus Leidenschaft, soviel ist sicher. Also, wer sich für das Samplen von Instrumenten interessiert und wer auf der Suche nach Hunderten von kostenlosen Bibliotheken ist, dem sei der Decent Sampler ans Herz gelegt und ein Besuch beim Piano Book empfohlen…

Das war meine Lieblingssammlung an kostenlosen Plugins. Unglaublich, was man heute für kein Geld bekommt 😉 Vor über 25 Jahren habe ich davon nur geträumt…