Plattenkritik: SONIC YOUTH – Sister (1987)

Meine Wertung: 9 von 10

Sister ist das vierte Studio-Album der New Yorker Noise-Rock Band Sonic Youth – wenn man die erste EP nicht mitzählt. Man war mit dem Sound des Vorgängers Evol (1986) nicht wirklich zufrieden und wählte ein anderes Aufnahmestudio. Zu der Zeit war das Sear Sound Studio gerade irgendwie ein Geheimtipp, auch wenn es zu der Zeit fast ausschließlich für Jingles und Soundtracks von Horrorfilmen genutzt wurde.

Der Vorteil war aber, dass das Studio relativ günstig war und über allerlei Röhrenverstärker und altes Recording-Equipment verfügte. Auch wenn man während den Sessions einige Probleme mit dem hauseigenen Tontechniker hatte – der ein Ingenieur der alten Schule war – dauerte es nur zwei Wochen und Sister war im Kasten. Die Raumakustik soll wohl ziemlich übel gewesen sein, was den muffigen Drumsound begründet, der mir persönlich aber gut gefällt.

Musikalisch beschreibt Sister irgendwie das Ende der ersten Ära von Sonic Youth, welche die ersten vier Alben umfasst und vom New Yorker No-Wave der 70er und 80er Jahre beeinflusst war. Die Band wollte einen raueren Sound auf ihren Platten, so wie man die Band von der Bühne kannte. Die Songs spiegelten dies wieder, sie wurden schneller und mehr vom Punkrock beeinflusst – daher passt das Cover der Band CrimeHot Wire My Heart“ auch gut auf dieses Album.

Man hört noch immer den No-Wave der ersten Platten, dieser wird hier aber immer mehr mit traditionellen Songstrukturen vermischt. Auch blitze hier zum ersten mal die großartige Symbiose von Indie Rock Melodien und Noise Rock auf – besonders im Opener „Schizophrenia„. Eine Mischung, die die Band mit ihren letzten vier Alben 2002-2009 perfektionierte.

Sonic Youth war zu dieser Zeit vom Science Fiction Schriftsteller Philip K. Dick fasziniert und dieser hegte eine fast krankhafte Obsession für seine früh verstorbene Schwester – daher auch der Albumtitel. Außerdem war Schizophrenia und Stereo Sanctity von Dick’s Werken beeinflusst.

Auch findet sich auf diesem Album das fast Dream Pop-mäßige Kotton Crown, bei dem Gordon and Moore zusammen singen und auch wenn beide keine Vorzeigevokalisten sind, funktioniert das hier ganz hervorragend.

Mit dem vorherigen Album haben Sonic Youth Steve Shelley an die Drums geholt, der auf diesen Album einer der herausragendsten Elemente ist. Aufgrund seiner vorherigen Tätigkeit in einer Hardcore Band, weiß er hier präzise und schnelle Percussion Elemente zu platzieren.

Sister gehört in meinen Augen zu den besten Alben der Band und auch wenn die späteren Aufnahmen wesentlich polierter klingen, würd ich diese Platte jedem neuen Hörer als Einstieg in den Sonic Youth Kosmos empfehlen.

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