Eine subjektive aber durchaus begründete Top 15 der besten Beatles Songs

Ich wollte mir mal wieder einen Sampler mit meinen Lieblingstracks der Fab Four auf CD brennen. Einfach, weil ich das schon ewig nicht mehr gemacht habe. Dieser Monat stand sowieso ganz im Zeichen der Liverpooler – aufgrund des Albums und des Films zu „Let it Be / Get Back“ und dessen Jubiläum. Daher fand ich einen Best-Of Sampler eine gute Idee und auch in diesem Beitrag die Songauswahl zu begründen…

Daher nun eine Auswahl von 15 Songs, die es auf jeden Fall auf den Sampler schaffen würden. Die Aufzählung erfolgt von 15 bis 1, wobei Nummer 1 der in meinen Augen grandioseste Song der Beatles ist.

15. I Saw Her Standing There (1963)

Der Opener des Debütalbums. Die ersten drei Alben liegen hier sicherlich eher seltener auf dem Plattenteller. Ich mag viele ihrer frühen Songs, aber ich mag die Alben ab 1965 einfach lieber. Allerdings hat mich dieser Song schon immer gefesselt und das hat sich bis heute nicht geändert.

Den Song hat Paul zusammen mit John im Wohnzimmer seines Elternhauses 1962 geschrieben, etwa einem halben Jahr vor dessen Aufzeichnung im Februar 1963. Bekannterweise konnte man Anfang der 60er nur auf 2 Spuren aufzeichnen – die erste Spur für den Grundtrack und die zweite Spur für die Leadvocals oder ein Solo-Instrument. Erst ein Jahr später wurde bei EMI mit 4-Spur-Bandgeräten aufgezeichnet.

Die Beatles brauchten 9 Anläufe um den Song aufzuzeichnen. Der letzte Take wurde behalten und enthält auch das berühmte „1, 2, 3, 4“ Einzählen von Paul am Anfang des Songs. Das Klatschen im Song war ein Vorschlag vom Produzenten George Martin.

14. Ticket To Ride (1965)

1965 war ein Wendepunkt für den Sound der Beatles und das wird besonders bei diesem Song deutlich. Herausstechend ist definitiv das Schlagzeugspiel von Ringo, wobei Paul im bei dieser Idee wohl behilflich war. Der Song klingt irgendwie aggressiver als die typischen Rock’n’Roll Nummern dieser Zeit.

Ticket To Ride war der erste Song, der für das kommende Album Help aufgezeichnet wurde – im Februar 1965.

13. For No One (1966)

Paul schrieb dieses wunderbare Stück 1966 nach einem Streit mit deiner damaligen Freundin Jane Asher und beschreibt dort das Ende der Beziehung. Der Arbeitstitel war dementsprechend auch „Why Did It Die„. In meinen Augen ein perfekter kleiner Popsong, den nur Sir McCartney schreiben kann.

Paul wollte unbedingt ein Solo von einem Waldhorn, welches Alan Civil dann eingespielt hat. Die Melodie dazu hat Paul ihm vorher vorgesummt. Blöderweise lag eine Note außerhalb des Registers eines Waldhorns, aber Paul und George Martin bestanden auf einen Versuch. Etwas unter Druck gesetzt, schaffte Alan dann den „unmöglichen“ Ton zu spielen…

12. Come Together (1969)

Musikalisch war dieser Song 100%ig von Chuck Berry beeinflusst und die ursprüngliche Version dieses Lennon Songs klang fast schon wie ein Coverstück. Die Band hat den Song dann verändert und ihren eigenen Stempel aufgedrückt. Ein großartiger Opener für eine Platte.

Textlich hat sich John von Timothy Leary beeinflussen lassen, der damals für den Posten des Governeurs von Kalifornien gegen Ronald Reagan antrat. Sein Slogan war „Come Together, join the party„. Leary hat John dann gebeten für seine Kampagne einen Song zu schreiben und John mochte Leary und tat es deshalb. Den Song, den er dann komponierte hatte aber mit der Idee nichts mehr zu tun, wenn man mal von Titel absieht.

11. Eleanor Rigby (1966)

Auf diesem Song spielt kein Beatle ein Instrument, man hört nur die Leadvocals von Paul und die Harmoniestimmen von John und George. Fantastischer Song. Die Melodie ist natürlich von Paul und er spielt es George Martin zunächst auch mit einer Akustikgitarre vor. Aber die hervorragenden Streicher gehen auf die Kappe des Produzenten!

10. Norwegian Wood (1965)

Im Grunde hat John Lennon mit diesem Song seiner damaligen Frau Cynthia gebeichtet, dass er sie Tausende Male betrogen hat, wenn die Jungs unterwegs waren. John hat aber schon immer gerne etwas kryptisch getextet. Norwegian Wood hat mich gleich beim ersten Hören vor etlichen Jahren gefesselt und es war auch der erste Beatles Song, den ich auf Gitarre nachspielen konnte.

09. Across The Universe (1968)

Across the Universe erschien mit auf dem „Let It Be“ Album 1970, obwohl er schon 1968 das erste mal aufgenommen wurde. John war mit dem ersten Ergebnis aber nicht zufrieden und so gab er das Stück dem World Wildlife Fund (WWF) für eine Charity Platte.

Der Song wurde noch vor der Reise nach Indien geschrieben, denn John hatte für sich schon vorher den Maharishi Mahesh Yogi entdeckt. Der Song ist ihm quasi zugeflogen. Er lag zuhause und dachte über eine Dinge nach, die er Cynthia an den Kopf geworfen hatte und dabei kam ihm ziemlich schnell der Text in den Kopf.

Across The Universe ist bis dato auch der einzige Song, den ich mit meiner Band mound gecovert habe 😉

08. Happiness Is A Warm Gun (1968)

George Martin gab John im Studio ein Waffenmagazin zu lesen, weil er sich sicher war, dass John dazu textlich etwas einfällt. Auf der Titelseite war eine rauchende Waffe fotografiert, mit dem Zitat „Happiness is a warm gun in your hand„. John fand das bizarr und unsinnig. Genauso bizarr ist auch sein Text geworden. Ein typischer Lennon-Geniestreich, den vielen Leuten den Kopf zerbrochen hat. Auf die Frage, was das denn alles bedeuten soll, antwortet John: „Nichts.“

07. I’m Only Sleeping (1966)

Ich mag den psychedelischen Unterton in diesem Song von John Lennon. Die rückwärts gespielten Gitarren, die lethargische Stimme und die surreale Stimmung.

Auf Anthology 2 hört man noch eine interessante andere Version des Songs mit einem Vibraphone, das man auf der LP-Version dann aber weglässt. George spielt die Solo-Gitarre und durch einen Zufall wird das Band kurzzeitig rückwärts abgespielt und die Jungs fanden das so genial, dass das Rückwärtssolo drin blieb.

06. Blackbird (1968)

Was soll man zu diesem Song sagen? Ein typisches McCartney Meisterwerk.

Paul hat über die Jahre seinen eigenen Finger-Picking Stil entwickelt und daher ist es auch so schwer das Stück auf Gitarre nachzuspielen. Den Rhythmus stapft er mit seinem Fuß und die Vögel, die man hören kann, sind tatsächlich vom Innenhof des Abbey Road Studios live mit eingefangen worden, weil Paul das Stück am offenen Fenster aufgenommen hat.

Nachtrag: Ok, wie ich in seiner neuen Autobiografie nachlesen konnte, ist es ein Mythos, dass die Innenhofatmosphäre tatsächlich live mit aufgenommen wurde. Die Amsel auf der Aufnahme stammt ursprünglich aus dem Found Sound Archiv von EMI … 😉

05. I Want You (1969)

Dieser Song gehört schon lange zu meinen Lieblingsstücken. Meine ersten beiden Beatles Platten waren Help (1965) und Abbey Road (1969). Ich konnte damals nicht glauben, dass zwischen diesen Aufnahmen nur vier Jahre lagen. Jedenfalls hat mich I Want You gleich beim ersten Hören in seinen Bann gezogen.

Als vor Kurzem die Abbey Road (50th Anniversary) erschienen ist, habe ich auf der Platte mit den Sessions eine Version gefunden, die mir sogar noch besser gefällt, als die offizielle LP-Aufnahme. John wollte mit dem Song seine Leidenschaft für Yoko ausdrücken und schafft es mit wenigen Worten…

04. Strawberry Fields Forever (1967)

Dieser Song stellt zusammen mit I Am The Walrus den Höhepunkt des typischen Lennonschen Surrealismus dar. Ein Song, den nur er schreiben konnte.

Das Stück war dem Label zu psychedelisch für das nächste Beatles Album (Sgt. Pepper) und wurde daher zusammen mit Penny Lane als Single rausgebracht. Kurz vorher haben die Beatles das Touren aufgegeben und dies hier ist das erste Meisterwerk ihrer unglaublichen Kreativität im Studio …

03. I Am The Walrus (1967)

John wurde hier von vielerlei Dingen für den Song beeinflusst. Ein wichtiger Bestandteil ist Alice im Wunderland (The Walrus and the Carpenter). Die Melodie ist John angeblich eingefallen, als er ein vorbeifahrendes Polizeiauto mit Sirene hörte. Viele Teile des Textes wurden unter LSD-Einfluss geschrieben und dieser wurde in meinen Augen auch zum abgefahrensten Text im kompletten Beatles Kosmos.

Der Song wurde kurz nach dem Begräbnis von Brian Epstein aufgenommen und John spielte das Stück zusammen mit seiner Akustikgitarre George Martin vor. Dieser war ergriffen von den Emotionen, die John in den Vortrag legte. Dem Song wurde allerlei Schnickschnack hinzugefügt: Streicher, ein Chor, Spezialeffekte für den Gesang und Ausschnitte von Radiosendern.

02. Tomorrow Never Knows (1966)

Ausnahmestück des 66er Albums Revolver. Atemberaubender kann man ein Album nicht abschließen. John hat diesen Song um einen C-Dur-Akkord herum geschrieben und er will, dass seine Stimme klingt, wie die des Dalai-Lama.

John hat sich zu dieser Zeit für das Tibetanische Totenbuch interessiert und wurde davon sehr beeinflusst bei der Entstehung des Songs. „Turn off your mind, relax and float downstream“ … genau das hat Herr Lennon getan und dann diesen Song geschrieben.

01. A Day In The Life (1967)

Die Geschichte ist bekannt: John hat einen neuen Song. Allerdings fehlt dem Stück noch etwas und dieses etwas liefert dann Paul. Kunstvoll werden die beiden Teile verschmolzen und heraus kommt ein Meisterwerk. Allein die erste Strophe von John erzeugt eine Gänsehaut!

Auch wenn der zweite Teil von Paul nicht so wirklich zum Motiv von John passt, wird die Symbiose durch den grandiosen Übergang wundervoll. Allerdings hat die Aufnahme lange gedauert. Zunächst wurden 24 Takte zwischen den beiden Teilen freigelassen, weil man einfach noch nicht wusste, wie man den Übergang hinbekommt. Das Ende der Takte sollte ein Wecker ankündigen und diesen kann man auf der Aufnahme noch hören … allerdings beginnt Paul’s Text gleich mit „Woke Up…“, also passt der Wecker perfekt.

John hatte dann die Idee die 24 Takte mit einem immensen Crescendo zu füllen. Es sollte aus dem Nichts kommen und im Weltuntergang enden. Kurzerhand wurde ein Symphonieorchester gebucht und den Musikern wurde gesagt, dass sie all ihr Gelerntes mal kurz vergessen und auf ihrem Instrument irgendwas spielen sollten, beginnend beim tiefsten Register bis hin zum höchsten. Aus dieser Aufzeichnung wurde eine regelrechte Party gemacht und viele Freunde wurden eingeladen.

Es fehlte noch ein krönender Abschluss des Songs und gleichzeitig auch für das Album. Nachdem man verschiedene Ideen verworfen hatte, entschied man sich für einen einzigen Akkord auf allen verfügbaren Tasteninstrumenten im Studio gleichzeitig angespielt und von George Martin später so lange wie möglich hörbar gemacht. Ende.

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