Retro-Kameras sind ja gerade wieder chic – eigentlich schon länger. Aber mit Retro-Kameras meine ich wirklich alte Kameras, solche die schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel haben und die ihre Blütezeit in den 60ern, 70ern und 80ern des letzten Jahrhunderts hatten. Außerdem sollte es sich hierbei um analoge Filmkameras handeln – total hip! Steh‘ ich auch drauf.

Nicht umsonst bauen viele Hersteller ihre aktuellen spiegellosen Systemkameras genau nach diesen Vorbildern (Fuji, Olympus, …). Auch wenn diese digital funktionieren, sehen sie zumindest retro aus. Was ist aber mit einer Kamera, die ungefähr neun Jahre alt ist? Ziemlich uncool, eigentlich. Die Canon EOS 550D ist genau solch eine Kamera. Die Markteinführung war im Frühjahr 2010 und der Neupreis lag damals bei 800-900 Euro.

Der Sensor verfügt über ganze 18 Megapixel und das Teil ist komplett aus Plastik … füllt sich zumindest so an. Der aktuelle 2nd-Hand Guide 2019/2020 des foto Magazins schreibt, dass der Straßenpreis momentan bei 120,- Euro liegt. Nach einer Recherche meinerseits liegt der Body-Preis bei ebay im Schnitt bei ca. 140-150 Euro. Ich habe einen gut erhaltenen Body inklusive Kit-Objektiv (18-55mm) und Telezoom (75-300mm) für 180,- Euro bekommen.

Vor einigen Jahren besaß ich schon eine 550d (oder Rebel T2i, wie sie in Amerika heißt) und es war meine letzte DSLR, die ich – nachdem ich sie Fallen ließ – defekt verkauft hatte. Ich mochte diese und daher ist solch ein Modell nun wieder in meinem Besitz. Ich sehe einfach nicht ein, warum ich für ein Hobby gleich zwischen 500 und 800 Euro für ein aktuelles Model ausgeben soll – in der Hoffnung, dass diese gebrauchte Kamera nicht nach einigen Wochen den Geist aufgibt.

Aktuelle Modelle dieser gehobenen Einsteigerklasse von Canon verfügen über 24 Megapixel, das macht für mich keinen großen Unterschied. Der Sensor der 550D ist ein DIGIC 4 CMOS Sensor und das aktuelle Modell verfügt bereits über einen DIGIC 7 CMOS Sensor. Das sagt zwar nichts über die Bildqualität, aber hinsichtlich Autofokus und Prozessorgeschwindigkeit … kann ich aber mit leben. Ok, beweglicher LCD Bildschirm wäre gut und der Autofokus könnte etwas schneller sein, aber das wäre mir nicht so viel Geld wert.

Nach dem Kauf hatte ich die 550D gleich mit an der Ostsee, zusammen mit dem berühmten 18-55mm Kit-Objektiv. Wieder zuhause am Rechner kam dann schnell die Ernüchterung. Auch wenn meine Fuji X-M1 ebenfalls schon zum alten Eisen gehört, sind die Bilder mit Fuji’s Kit (16-50) schon qualitativ höher, was Schärfe angeht. Das liegt aber auch am Bildstabilisator des Fuji Glases. Mein Canon Pendant verfügt über keine Stabilisator. Außerdem sehen die Bilder out-of-cam bei der Fuji schon netter aus, weil diese ein paar Film Presets an Bord hat.

Aus diesem Grund war meine erste zusätzliche Anschaffung für die Canon das berühmte „Nifty Fifty„, das günstige 50mm f1.8 Festbrennweiten-Objektiv von Canon, dass es mittlerweile in der dritten Generation gibt. Für gut 100 Euros ist dieses Objektiv unschlagbar. Ohne Frage eine Plastikdose, die man auf keine Fall fallen lassen sollte, aber für den Preis bekommt man keine bessere Bildqualität.

Damals besaß ich die zweite Generation, dass 50mm f1.8 II und Canon hat die neueste Inkarnation definitiv verbessert. Es sieht wertiger aus, verfügt zumindest an den empfindlichen Stellen über etwas Metall und der Motor ist leiser geworden (ein Segen). Dies Glas kann ich ohne Frage empfehlen.

Das Telezoom (75-300mm) habe ich noch nicht wirklich ausgiebig getestet, weil solch ein Zoom bei mir fast nie zum Einsatz kommt.

Des Weiteren mag ich die Videofunktionen der 550D. Auch wenn FullHD Video schon lange Standard ist (eigentlich schon 4K), war das vor neun Jahren noch nicht unbedingt überall der Fall. Man kann zwar nur 12 Minuten am Stück aufnehmen und der Aufnahmechip wird auch schnell mal heiß, aber die Tatsache, dass man in 30fps oder auch 24fps aufnehmen kann, gefällt. Außerdem gibt es einen externen Mikrofon-Eingang, was auch nicht selbstverständlich ist.

Und die Haptik? Ganz wichtig ist für mich auch, wie die Kamera in der Hand liegt und wie sie sich bedienen läßt. Die Canon EOS Reihe ist nicht wirklich „schön“, aber sie lassen sich einfach gut halten beim Fotografieren. Auch wenn die 550D eine Plastikkamera ist, hat sie an gewissen Stellen einen rauen gummiartigen Überzug, der sich gut anfühlt und einem Halt gibt. 😉

Die Tasten liegen an der richtigen Stelle und man verstellt eigentlich nicht ganz aus Versehen. Der LCD Bildschirm ist angenehm groß und im 3:2 Format. Der Sucher ist nichts Besonderes – wenn ich hier an den Sucher der Olympus OM-1 denke … Aber es gibt zumindest einen und das ist gut.

Wie gesagt, ich mag diese etwas betagte digitale Spiegelreflexkamera. Man bekommt ausreichend Technik und Komfort zum kleinen Preis und wenn man dann noch das günstige 50mm Objektiv von Canon dazu kauft, hat man ein Setup für knapp 250 Euro, dass ich jedem Einsteiger und auch ambitionierten Hobbyfotografen nur ans Herz legen kann. Empfehlenswert ist allerdings beim Gebrauchtkauf zu wissen, wieviele Auslösungen die Kamera hinter sich hat, weil irgendwann die Mechanik aufgibt. Es gibt Tools für PC oder Mac zum Auslesen der Auslösungen, wenn diese in Richtung 10.000 gehen würde ich auf jeden Fall vom Kauf abraten.

Falls dann die Ansprüche doch irgendwann noch steigen, kann man immer noch hochwertige Gläser dazu kaufen. Denn ein anständiges Objektiv ist immer noch wichtiger als die Kamera dahinter.

Einige schnelle Beispielaufnahmen der Canon EOS 550D:

50mm | f4.0 | 1/80sek | ISO200
50mm | f2.8 | 1/160sek | ISO100
50mm | f1.8 | 1/2000sek | ISO100
50mm | f1.8 | 1/500sek | ISO100
35mm | f20.0 | 1/200sek | ISO100

55mm | f20.0 | 1/80sek | ISO640