Ein Jahr lang keine Neuigkeiten?

Anfang 2018 hat David Cain auf seinem Blog einen wirklich interessanten Artikel veröffentlicht, der mich auch ein wenig an das Buch Deep Work von Cal Newport erinnert hat. Es geht dabei um die Idee ein Jahr lang keine neuen Interessen und Hobbies zu entwickeln und ein Jahr lang keine neuen Dinge zu kaufen (Bücher, Musik, Videospiele, Instrumente, Gadgets, etc…).

Ein Jahr keine neuen Interessen und kein neues Zeugs… Das heißt man muss seine Zeit in die Dinge investieren, die man besitzt und sich auf die Dinge konzentrieren, die man eh schon angefangen hat. Es geht quasi um das Vertiefen von Fertigkeiten anstelle des Erlernens neuer Sachen. Man liest endlich seine ungelesenen Bücher oder beschäftigt sich endlich mehr mit den Jazzplatten, in die man bisher nur einmal kurz reingehört hat. Man macht endlich mit den Klavierstunden weiter, anstatt jetzt mit dem Saxofonspielen zu beginnen.

David hat diese Philosophie liebevoll „Go deeper, not wider“ genannt und das trifft es auf den Punkt. Es gibt immer ungelesene Bücher im Haus oder ungesehene DVDs. Genügend Optionen von denen man Schöpfen kann, die man endlich vertiefen kann, ohne gleich wieder den Kick des Neuen zu suchen.

Warum will man immer etwas Neues? Ich denke hier spielen viele Faktoren zusammen. Zum einen lernt man in der Kindheit / Jugend oder von Freunden und den Medien, dass etwas Neues immer gut ist. Jeder hat sicherlich eine kleine Liste von Dingen, die er gern hätte: die bessere neue Gitarre, den größeren Fernseher, ein kleines Boot… Es gehört einfach irgendwie zu unserer Kultur solche Dinge besitzen zu wollen.

Auf der anderen Seite sind die Fertigkeiten, die wir lernen wenn wir uns einem Hobby zuwenden. Ich habe zum Beispiel angefangen mich in den letzten zwei Jahren für Programmiersprachen speziell für Synthese und Sound Design zu interessieren. Zuerst habe ich etwas von einer Sprache gelernt, dann wurde mir das zu langweilig und ich habe mich der nächsten Sprache zugewandt. Bei der vierten Programmiersprache angelangt hat es mir gereicht. Ich habe gemerkt, dass immer wenn es schwierig wurde, wenn der Kick des Neuen weg war und man sich wirklich hinsetzen muss und Lernen muss, dann will man etwas Anderes. So habe ich zwar einige Sprachen kennengelernt, aber keine davon wirklich beherrscht.

Und es gibt unzählige Möglichkeiten sich schnell für etwas anderes zu interessieren … unzählige! Genau dieser Umstand macht es schwer sich mit einer Sache wirklich tiefgehend zu beschäftigen, denn es gibt immer etwas Neues dem man sich zuwenden kann, wenn das Alte langweilig oder schwierig wird.

Aber man kann Freude und Befriedigung im Erlernen und Meistern einer Sache verspüren, viele haben das bereits bewiesen. Allerdings muss man sich dann einfach Grenzen setzen, die Aufmerksamkeit nicht ständig auf neue interessante Dinge zu lenken.

Genau das ist die Idee eines „tiefen Jahres„. Ein Jahr in dem es einem nicht erlaubt ist neue Hobbies in Angriff zu nehmen, keine neuen Bücher zu erwerben oder Musikalben zu kaufen. Denn etwas Vorhandenes zu vertiefen verlangt Hingabe, Anstrengung und Geduld. Etwas Neues anzufangen verlangt einem rein gar nichts ab, außer vielleicht einen Großteil seines Einkommens. Ich denke solch ein „tiefes Jahr“ wäre mal ein hervorragendes Experiment, auch wenn es ein recht langes wird…

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